Entwicklung der Erwachsenenbildung in Mülheim (Ergebnis des Workshop vom 5. August 2020)

Erkenntnisse aus unserem Workshop

 

Wir wollten es wissen:  Wie kann unser Bürgerentscheid vom Oktober letzten Jahres endlich aktiv umgesetzt werden? Dazu schien es uns wichtig, auch die inhaltliche Gestaltung der Weiterbildung in unserer Stadt zu betrachten und dann zu überlegen, welche Impulse dazu von der Initiative kommen können. In der Folge einige Erkenntnisse aus unserem Workshop vom 5. August in der Alten Dreherei.

 

 

 

Der Stellenwert von Weiterbildung oder „kenne deine Wurzeln“

 

Im Weiterbildungsgesetz NRW (WbG) ist der Betrieb einer Volkshochschule als eine Pflichtaufgabe definiert Link 1. Es besteht grundsätzlich "ein Recht auf Weiterbildung". Die Angebote ("Grundversorgung") sind bedarfsdeckend zu gestalten und dabei die "Vertiefung und Ergänzung vorhandener Qualifikationen als auch (der) Erwerb von neuen Kenntnissen, Fähigkeiten und Verhaltensweisen" zu berücksichtigen. Weiterbildung soll ausdrücklich 1. "Entfaltung der Persönlichkeit fördern", 2. "die Fähigkeit zur Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens stärken" und 3. "die Anforderungen der Arbeitswelt bewältigen helfen". Soweit der Stand von 2005. Seit einigen Jahren gibt es eine Diskussion zu einer Novellierung des WbG mit einem detaillierten Eckpunktepapier von 2019 Link 2.

 

Beim Vergleich zu den öffentlichen Aufwendungen für Weiterbildung mit anderen Bildungsbereichen zeigt sich eine auffällige Diskrepanz und damit auch Geringschätzung. So wurden die Ausgaben von 1995 bis 2015 um 43% reduziert, während Schulen mit 41%, die Berufsausbildung mit 62%, Hochschulen mit 77% und Kindergärten mit 113 % (U3) bzw. 272 % (Ü3) mehr Mitteln bedacht wurden.  Insgesamt werden für Weiterbildung ca. 27 Mrd. ausgegeben, davon jedoch nur 6,3 Mrd. öffentlich finanziert. Eine groß angelegte Bertelsmannstudie vom letzten Jahr spricht in diesem Zusammenhang von dem "Stiefkind der Bildungspolitik" und davon, dass Geringqualifizierte und Arme kaum profitieren Link 3.  Müßig zu erwähnen, dass sich unsere Stadt auch hier noch bundesweit im unteren Spektrum bewegt?

 

 

 

Es waren mal bessere Zeiten oder „die Erfindung des Rades“

 

Beschränken wir uns auf die Mülheimer Situation, stellen wir fest, dass der Betrieb der VHS bis 1989 mit einem Mix aus Pflicht- und freiwilligen Leistungen zu 100% gedeckt war. Nach der Umwandlung in einen Eigenbetrieb gelang es dem VHS-Team trotz erheblicher Leistungsreduzierungen um ca. 40% Erträge zu erwirtschaften. Auch im Vergleich zu privaten Bildungsträgern erwies sich die VHS für die Kurs-Teilnehmenden bzw. zahlenden Nutzer wie die Arbeitsagentur als klar günstiger. Die Beschäftigten bei ALDI, Mannesmann und auch bei der Stadtverwaltung konnten davon in passgenauen Kursen profitieren. Tatsächlich erwuchsen aus den Erträgen noch gebührenfreie Angebote, wie z.B. Kulturveranstaltungen, Diskussionsbeiträge zur politischen Erwachsenenbildung und weitere längerfristige Projekte. Kurse zum Erlangen von Bildungsabschlüssen (2. Bildungsweg) und Alphabetisierung etablierten sich als feste Größen.

 

Wichtig erscheinen uns auch die Selbsthilfeansätze aus dem VHS-Betrieb heraus: So wurden in diesem Rahmen die Dachbegrünung vorangetrieben und auch praktische Ansätze der Betonsanierung initiiert. Nicht zuletzt erhielt die VHS in der MüGa auch das Gütesiegel "1. Ökoprofithaus in Mülheim".

 

An diesem, von überregionaler Seite beachteten und wertgeschätztem, hohen Standard des Mülheimer Weiterbildungs-Weges änderte sich zunächst auch nichts nach der Wiedereingliederung in den städtischen Kulturbetrieb. Durch (eigentlich selbstverständlich) offene Personalentscheidungen konnte ein von politischen Tagesbefindlichkeiten unabhängiges Team kontinuierlich diese VHS prägen.

 

Die Wertschätzung, die das Gebäude mit seinen Subkommunikationsebenen von den Nutzer:Innen und Besucher:Innen erfuhr, war für Außenstehende vielleicht erstaunlich, ließ sich aber mit der Formel und Handlungsprämisse vom ersten VHS-Direktor Norbert F.B. Gregor erklären: "Umfeld  bestimmt Verhalten".  So blieb auch der qualitativ hochwertige Teppichboden im Forum und in den Treppenbereichen lange Zeit ein Wohlfühlmerkmal.  Überhaupt zeigte sich, dass die planerische Grundüberlegung, ein Begegnungszentrum für erwachsene Bildungshungrige zu schaffen, in diesem Fall voll aufging. Der Auslastungsgrad der Räume lag während der Kurszeiten, also von 8:00 bis 21:30 Uhr, bei beachtlichen 80%. Dies ist eine Marke, die andere öffentliche Gebäude bei weitem nicht erreichen.

 

 

 

Mutwillige Zerstörungen

 

Der vielen jüngeren Bürger:innen bekannte (Spät-) Zustand der VHS in der MüGa (ab etwa 2010) spiegelt nicht mehr die vorangegangene Phase wieder. Personelle Entwicklungen (Rekrutierung von HPMs aus der städtischen Verwaltung) gingen Hand in Hand mit inhaltlichen Veränderungen und führten zu Mittelstreichungen und Auslagerungen von VHS-originären Angeboten. Eine Überleitung in die Zuständigkeit des Schulausschusses erfolgte auf persönlichem Betreiben des damaligen "Super(Sozial)Dezernenten".  Trotz bekannter Brandschutzauflagen (2012) und Handlungskonzepte wurde nicht mehr in die renommierte VHS investiert. Der Eingang zur MüGa wurde versperrt, größere Veranstaltungen waren nicht mehr zulässig. Parallel zu den ständigen Verlagerungsdiskussionen wurde das Gebäude (Renovierungsetatansatz nicht eingesetzt), die Zugänglichkeit (Sicherheitsbedenken) und die Mitbestimmungsoptionen über Kurssprecher und Förderverein ins Abseits gedrängt. Eine offene Debatte mit den betroffenen Kräften wurde nie geführt.

 

 

 

Trauriger Bildungsnotstand vs. glückliche Dummheit

 

Die real existierende Not-VHS an der Aktienstraße kann die durch die Schließung 2017 entstandenen Verluste in der mölmschen Bildungslandschaft nicht kaschieren. Bis dahin lag die Auslastung bei beachtlichen 86% und mindestens 10-mal im Jahr fanden Bürgertreffs in Form von Konzerten und anderen Veranstaltungen statt. Die Zahl der Kursstunden und Teilnehmenden hat sich seit dem erzwungenen Exodus schon vor der Pandemie tendenziell halbiert, die hauptamtliche Personalstärke bleibt jedoch gleich.  Das Gebäude wirkt abweisend und verhindert Begegnungen der Teilnehmenden. Die Leitung benimmt sich dazu passend steif, uninspiriert und kontrollierend. Kreativkurse müssen mangels Möglichkeiten entfallen. Andere Angebote werden ausgelagert. Hochwertige Optionen (Cambridge Zertifikate) werden nicht mehr angeboten, Pflichtaufgaben wie die Berufliche Bildung werden nicht selbstbewusst und weitsichtig betrieben. Eine tragende Säule unseres kommunalen Bildungssystems wurde mutwillig angesägt und bröckelt weiter. Behindertengerechte Zugänge sind in dem Gebäude an der Aktienstraße genauso erschreckend schlecht durchdacht wie der Brandschutz mit Fluchtwegen. Den größten Versammlungsraum am Ende eines 100 Meter langen Gangs "Saal" zu nennen, ist ein Zeichen von verzwergtem Denken. Lebenslanges Lernen wird so zur lebenslangen Strafe und das Programmmotto seit 2018 "Bildung macht glücklich" trifft unter diesen Gegebenheiten sicher nicht zu.

 

 

 

Vergangenheit = Zukunft?

 

Der Blick in die jüngere Mülheimer VHS-Geschichte hilft ja vielleicht, ein paar neue Überlegungen in die verfahrene Diskussionslandschaft zu pflanzen.

 

Aufgrund des durch den Bürgerentscheid erzeugten Drucks wurde auch die Initiative von der Verwaltung zur Beteiligung an einem AK Zukunftskonzept der VHS eingeladen. Ein Setting, in dem die „Raumfrage“ ausdrücklich ausgeklammert wird. Ein Verfahren, welches schon seit Jahren überfällig war. Die erste Sitzung im Juni war eher behäbig und wenig ambitioniert. Ideen und Anregungen aus anderen Städten im Umkreis, in denen die VHS einen zentralen Bestandteil des kommunalen Bildungsangebotes markiert, gab es nicht. Knowhow aus den Arbeitsbereichen Erwachsenenbildung/Weiterbildung diverser Universitäten wurde nicht angefragt.

 

In Vorbereitung des AK erarbeiteten wir eine reichhaltige Liste in den Sparten Digitalisierung / Werkstatt – kreative und handwerkliche Inhalte / Bildung und Begegnung / Beteiligungsformate / Berufliche Bildung. Es ging uns darum, mit welchen Ideen und Anregungen wir eine zukunftsoffene VHS vorantreiben können und was akut vermisst wird. Hier ein paar Zwischenergebnisse:

 

ü  digitale Unterrichtsformate als Ergänzung, nicht als Ersatz des Präsenzunterrichtes

 

ü  IT-Kurse: Schulung Homeoffice / Soziale Netzwerke / Medienkompetenz / Fake News

 

ü  Handwerk: Kochen, Fahrradtechnik, Haustechnik, Garten, Elektronik, Kunsthandwerk, Angebote exklusiv für Frauen

 

ü  Selbsthilfe: Gestaltung des Gebäudes und der Umgebung: Räume, Dachflächen, MüGa, Stadtprojekte

 

ü  Werkräume für Nähen, Töpfern (Brennofen), Malen, Skulpturen, Musizieren

 

ü  Themenwochen und Schwerpunktsemester

 

ü  Synergien mit kommunal finanzierten Initiativen wie Dezentrale, Klimaini, CBE etc.

 

ü  Austausch mit Kunstschaffenden (Literatur, Musik, Theater etc.)

 

ü  freies WLAN in und um das gesamte Gebäude

 

ü  Mitbestimmungsgremien: Kurssprechende incl. Gremium

 

ü  Neu-Gründung Förderverein

 

ü  Präsenz in sozialen Medien (dort auch Meinungen, Austausch möglich)

 

ü  Kooperationen mit Unis, Arbeits- und Sozialagentur, Handwerk und Gewerkschaft

 

Das Organisieren und Gewährleisten von Weiterbildung wird eine zentrale Herausforderung für die kommende Zeit des Umbruchs sein. Investitionen in die Bildung und Sozialkompetenzen der Stadtgesellschaft sind niemals verloren. Schließungen großer Betriebe, Umstrukturierungen in ganzen Branchen stehen an. Die davon Betroffenen suchen Wege zu neuen beruflichen, existentiellen Perspektiven. Geflüchtete bemühen sich um ein Verständnis unserer Arbeits- und Lebensweisen. Digitales muss an das Analoge andocken. Die Prämissen der Weiterbildung (s. o.) sind aktueller denn je. Warum kann sich daraus nicht eine Kulturlandschaft entwickeln? Mit einem großen, nicht zweckgebundenen Forum mitten im Denkmal. Mit einer Anbindung an die MüGa, die Möglichkeiten der HRW und an die engagierten Bürgerbewegungen in unserer Stadt.

 

Nicht alles kann perfekt gewesen sein, sonst wäre das entstandene Weiterbildungs-Desaster nicht zu erklären. Druck von Verwaltung und politischen Strippenziehern sowie das Desinteresse der Öffentlichkeit waren zu groß, um die mit allen Mittel herbeigeführte Schließung aus weiterhin dubiosen Gründen zu verhindern. So müssen wir erst begreifen, was wir mit diesem Baudenkmal verloren haben. Zwar ist die Luft aus dem Reifen, aber er existiert und statt ihn neu zu erfinden, müssen wir ihn nur aufpumpen.

 

 

 

Links/Verweise

 

1.       https://www.politische-bildung.nrw.de/fileadmin/imperia/md/content/gesetze/2.pdf

 

2.       https://www.mkw.nrw/system/files/media/document/file/MKW_NRW_Weiterbildung_Eckpunkte_Novellierung_Weiterbildungsgesetz.pdf

 

3.       https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2019/maerz/weiterbildung-finanzielles-stiefkind-der-bildungspolitik/

 

Rede von Paul Raasch auf der Demo am 6. Juni 2020

Liebe Freunde der Volkshochschule,

 

verehrte  Vertreter der Medien,

 

liebe Ordnungshüter,

 

dieses Gebäude -  vor dem wir hier stehen - wurde auf Antrag von Mülheimer Bürgern unter Denkmalschutz gestellt, weil es außerordentliche -  ja einzigartige architektonische Merkmale aufweist. Es ist  in hervorragendster Weise für die Belange der Erwachsenenbildung und als Haus der Kultur und Kommunikation für unsere Stadt geeignet. 

 

Leider stehen wir hier jedoch vor einem mutwillig stillgelegten Denkmal.

 

Wegen angeblicher Lebensgefahr darf seit Herbst  2017 niemand mehr das Haus betreten.

 

Deshalb sind wir heute hier und klagen an:

 

Denn:  Seit Jahren versucht eine gewisse Gruppe in unserem Rathaus, -- leider eine überaus einflussreiche Gruppe, - jeder Interessierte kennt sie --  der Mülheimer Bevölkerung dieses Haus zu entreißen und das Grundstück, das zum Besten gehört, was diese Stadt noch in ihrem Besitz hat - finanzstarken Immobilieninvestoren zur Steigerung ihrer Profite anzudienen.

 

Zur Begründung für die überfallartige Räumung des Gebäudes wurde damals - man höre und staune - eine angebliche Lebensgefahr für die Besucher dieses Hauses herbeikonstruiert.

 

Jeder, der das Haus kennt, weiß, dass dies nur ein Vorwand für die geplante und endgültige Schließung war. 

 

Was man damals behauptet hat - die angebliche Lebensgefahr -  trifft nun aber durch die aktuellen Gesundheitsgefahren für das inzwischen teuer angemietete Provisorium an der Aktienstraße in ganz anderer Weise wirklich zu.

 

In schwer zu belüftenden Räumen und schmalen Treppenhäusern, in engen Fluren, in denen zwei Menschen kaum nebeneinander her laufen können, können Abstandsgebote, wie sie nun in Pandemiezeiten nötig sind, überhaupt nicht eingehalten werden. In dieser viel zu engen  Industriebaracke besteht eine erhebliche Ansteckungsgefahr.

 

Aber auch schon vor der Pandemie waren  - an der Aktienstraße - Fluchtwege in Notsituationen viel zu eng und konnten in diesem ungeeigneten Ersatzgebäude für jeden Besucher tatsächlich zur tödlichen Gefahr werden.

 

Man muss sich fragen, wie dieser Industriebau mit 100 Meter langen Fluren - die kaum mehr als einen Meter breit sind, jemals zu einer brandschutztechnischen Zulassung kommen konnte.

 

Jeder, der die beiden Häuser kennt, -  hier die echte Heinrich-Thöne-Volkshochschule und dort das Behelfsgebäude -   wird erkennen,  dass die kostspielige Anmietung des Notgebäudes an der Aktienstraße eine Fehlinvestition von erschreckendem Ausmaß war und ist.

 

Erwachsenenbildung wird in Mülheim durch den völlig unnötigen Umzug in ein Provisorium, dass nicht einmal als Übergangslösung wirklich geeignet ist, erheblich verteuert. 

 

Nur hier an der Bergstraße ist gerade das, was jetzt regelmäßig beschworen wird, nämlich Abstand zu halten, überhaupt  möglich.

 

 

 

Dieses Gebäude hier verfügt im Gegensatz zum angemieteten Provisorium über genau die Art von räumlicher Großzügigkeit, die für die Erwachsenenbildung grundsätzlich angemessen und besonders jetzt in Coronazeiten notwendig ist.

 

Jeder, der die Bergstraße noch besuchen konnte, weiß und kann es hier sehen, dass nahezu alle Räume großzügige Fenster nach außen haben und sich vor den Fenstern, die in Notfällen leicht als Notausstiege zu benutzen  wären, begrünte Flachdächer als Rettungszonen befinden.

 

Flure und Treppenhäuser sind großzügig angelegt. Drei ausreichend breite Ein-und Ausgänge lassen Abstände zwischen Besuchern zu. Im Gefahrenfall  wäre dieses Gebäude leicht  zu evakuieren.

 

Daß eine Sanierung dieses Gebäudes - mit dem Ziel, die aktuellen Brandschutzbestimmungen zu erfüllen - die Mülheimer vor der massiven Steuerverschwendung durch die Anmietung des Provisoriums an der Aktienstraße bewahrt hätte, kann nicht oft genug betont werden.

 

Es muss aber auch die Frage gestellt werden, wessen Interessen hier eigentlich bedient werden sollten!? Es sind nämlich gerade nicht die Interessen der Bürger unserer Stadt!

 

Wie konnten die politisch Verantwortlichen des Rates von Kämmerer und Verwaltung so fehlgeleitet werden und die Interessen ihrer Bürger derart ignorieren?

Der Kämmerer unserer Stadt, der sich gerne in der Öffentlichkeit als sparsamer Haushälter präsentiert, erweist sich in seiner anmaßenden Art   in Wahrheit     als der größte Verschwender von Steuergeldern.

 

Die Fehlentscheidungen und die Untätigkeit von Rat und Verwaltung  führen  im Ergebnis dazu, dass Dozenten arbeitslos geworden sind und nun unnötig lange Zeit arbeitslos bleiben werden. Die Erwachsenenbildung  in Mülheim wird für lange Zeit verkümmern und für eine Volkshochschule, die sich der städtischen Kultur und Weiterbildung verpflichtet fühlt,  wird auf absehbare Zeit kaum eine Perspektive bestehen, wenn Rat und Verwaltung so weiter die Interessen ihrer Bürger und den eindeutigen Bürgerentscheid ignorieren.

 

Dieser untragbare Zustand muss beendet werden!

 

Noch ist dieses Gebäude hier an der Bergstraße nicht verfallen, aber die Zeit drängt!

 

Noch immer kann sich Vernunft durchsetzen und das fatale Agieren von Rat und Verwaltung beenden.

 

Noch gilt das Angebot des Erbauers der VHS, des Architekten Teich, eine realistische Kostenschätzung für die Brandschutzsanierung vorzunehmen! Dieses Angebot muss endlich angenommen werden! Aber - und das ist die unglaubliche Mülheimer Realität - man hat diesen Mann, der sich um unsere Stadt bemüht,  -  bisher    noch nicht einmal in sein Gebäude hineingelassen!

 

Deshalb fordern wir:

 

Demokratische Grundsätze und Bürgerbeteiligung müssen auch in Mülheim wieder gelten!

 

Der Bürgerentscheid ist gültig und muss - besonders unter den jetzigen Umständen

 

- sofort  umgesetzt werden!

 

Wir - die Bürgerinitiative - richten uns deshalb an die Bürgermeister-Kandidatinnen und Kandidaten der anstehenden Wahlen.  Beziehen Sie Stellung zu den Fragen der Zukunft der VHS hier in der Müga!

 

Wer in Mülheim zum Bürgermeister/zur Bürgermeisterin gewählt werden will,  muss den entstandenen Schaden begrenzen und die Wiedereröffnung der VHS hier an der Bergstraße zur Chefsache machen!

 

Wir - das darf ich hier schon ankündigen - wir werden uns in diesen Wahlkampf jedenfalls einmischen !

 

 

 

Probleme in der Ersatz-VHS auf der Aktienstraße

9. März 2020: Die Ersatzräume auf der Aktienstraße sind nicht nur unattraktiv, sondern es gibt auch erhebliche Zweifel an der Sicherheit. Zwar erfüllen die Gänge die Vorschrift mit einer Breite von 1,23 m (vorgeschriebene Mindestbreite: 1,20 m) so gerade noch, aber praktisch kommt es schon im "Normalbetrieb" zu Schwierigkeiten, wenn z.B. Rollstuhlfahrer hier unterwegs sind. Rollstühle können hier nicht wenden, schon gar nicht darf noch ein Rollstuhlfahrer entgegenkommen. Andere Personen haben Schwierigkeiten, am Rollstuhl vorbeizukommen. Die Zufahrt zum großen Versammlungsraum ist nur mit Hilfe eines Treppenlifts möglich, der nur mit einem Schlüssel durch das Personal in Gang gesetzt werden kann.

Der vorgeschriebene zweite Fluchtweg aus dem Versammlungsraum führt über eine Treppe auf die Sandstraße, Rollstuhlfahrer können diese nicht benutzen. Der fast 100 m lange Gang im neu hinzugekommenen Teil mit dem Versammlungsraum am Ende hat nur jeweils einen Ausgang am Anfang und in der Mitte. Wenn der Treppenlift einen Rollstuhl transportiert, ist für die Dauer dieses Vorgangs die Treppe blockiert.

(Bilder zur größeren Ansicht mit Bildunterschrift bitte anklicken)

Die Ratssitzung vom 5. Dezember 2019

5. Dezember: Schon vor der Ratssitzung war klar, dass es keine konstruktive und sachliche Diskussion werden würde, der Show-Down war geplant und mit dem Gespräch vom Donnerstag vorher angekündigt. Dort hatten Vertreter aller Ratsfraktionen (außer MBI und WIR aus Mülheim) im Verein mit Kämmerer Mendack unter heftigen Anfeindungen gegen MBI-Fraktionsvorsitzenden Lothar Reinhard erklärt, dass es zu der Komplettsanierung für 22.5 Mio. keine Alternative gäbe und dass dem Architekten Herrn Teich auf keinen Fall Zugang zum Gebäude gewährt würde. Vor dem Ratssaal demonstrierten Schüler der GS Saarn, dem Elternbeiratsvorsitzenden Herr Boesken wurde ein Rederecht eingeräumt. 

Die "Argumentation" war einfach gestrickt: die VHS-Sanierung verdrängt alle anderen Investitionen, wer für den Bürgerentscheid gekämpft hat ist an allem schuld. Trotzdem wurde dies 2 1/2 Stunden lang unter heftigsten, auch persönlichen Angriffen immer wieder vorgetragen. Die Wahlentscheidung von 18 000 Bürgern wurde als Votum einer "Minderheit", die entweder von egoistischen Interessen geleitet oder von den bösen Initiatoren fehlgeleitet wurde, diffamiert. 

Dabei war die Ratsvorlage der Verwaltung von vornherein nicht darauf angelegt, eine Lösung zu präsentieren, sondern nur, um demonstrieren zu können: der Bürgerentscheid kann nur unter untragbaren Härten für Schüler und Lehrer und andere "Verdrängte" umgesetzt werden. Nun, hieß es, sollten dafür auch die Ratsmitglieder, die den Bürgerentscheid unterstützt hatten, "die Verantwortung übernehmen". Deshalb, erklärte eine Fraktion nach der anderen, werde man sich bei der Abstimmung enthalten. 

Nur konnten natürlich Unterstützer des Bürgerentscheids dieser Vorlage nicht zustimmen, denn das wäre dann tatsächlich verantwortungslos gewesen. Die Argumente gegen die Komplettsanierung waren wochenlang vorher öffentlich immer wieder vorgetragen worden. 

Dass der Gegenantrag "Erstellung eines Wiederherstellungskonzepts für die Volkshochschule in der MüGa unter Mitwirkung des Architekten, Herrn Teich" dann bei nur 4 Ja-Stimmen der Antragsteller und 1 Enthaltung abgelehnt wurde, war nach alledem auch nicht mehr anders zu erwarten. 

Nun freuen sich die Bürger(-entscheids)gegner daran, wie clever sie waren, wie sie es den Unterstützern des Bürgerentscheids gezeigt haben, ohne auch nur ansatzweise zu begreifen, was sie da anrichten.